Jugendliche fordern Grenzen – und wenn die Eltern keine setzen, surfen und chatten sie halt grenzenlos. Hätte ich als Teenager ja auch getan. Aber was tun, wenn es ganz einfach überhand nimmt? Das Kind (oder die Kinder) whatsappt sogar („nur gaaaanz kurz“) beim Abendessen, während der Hausaufgaben sowieso stundenlang und – wie man morgens vermuten muss – auch nachts?

1. Interessieren Sie sich für die Apps Ihrer Kinder!

Das Allerwichtigste zuerst: Reden Sie mit Ihren Kindern über deren digitale Medien! Ganz viel! Und dann noch mehr! Aber nicht als strenger Mahner im Sinne von „Hab ich Dir nicht schon Tausendmal gesagt…“ oder als ängstlicher Katastrophenbefürchter, sondern als Zuhörer mit echtem Interesse. Jeder kann lernen – der Eltern-Klassiker „Damit kenne ich mich gar nicht aus“ zählt nicht! Lassen Sie sich mindestens eine Lieblings-App genauestens erklären – und probieren Sie sie selbst aus! So zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es ernst nehmen und wirklich wissen wollen, was hinter der ganzen Begeisterung steckt! Und nur so wird Ihr Kind irgendwann einmal zu Ihnen kommen, wenn es etwas Negatives im Internet erlebt – die allermeisten Kinder erzählen ihren Eltern in solchen Fällen nämlich aus Angst davor, das Smartphone abgenommen zu bekommen, lieber nichts…

2. Bestimmen Sie feste Nutzungszeiten im heimischen WLAN!

Vereinbaren Sie feste Nutzungszeiten – und machen Sie sich mit dem Menü Ihres heimischen Internet-Routers vertraut. Ja, dieses kleine Kästchen, auf dem in Deutschland zu großen Teilen die Marke „Fritz!Box“ oder „SpeedPort“ prangt, kann Ihnen tatsächlich bei der Medienerziehung Ihrer Kinder sehr helfen! Hier können Sie für Ihre Kinder Zeitkontingente festlegen – teilweise auch über mehrere Geräte hinweg. Wie das ganz genau geht, erfahren Sie in dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung. So kann der kleine Max sich selbst aussuchen, ob er seine tägliche Bildschirmstunde lieber am Handy, Tablet oder Computer verbringt. Die Nutzung des TV-Geräts und etwaiger Spielekonsolen müssen Sie dann natürlich immer noch selber kontrollieren – und natürlich, falls schon vorhanden, die Nutzung eines mobilen Datenvolumens auf dem Smartphone…

3. Halten Sie nachts alle Internetgeräte von Kinderbetten fern!
Viele Kids chatten, surfen oder zocken bis tief in die Nacht – dass emotional aufwühlende Inhalte kurz vor dem Einschlafen nicht besonders gut für die Nachtruhe sind, ist ziemlich offensichtlich; zudem beeinflusst der hohe Anteil an blauem Licht auch schwach leuchtender LED-Bildschirme die Bildung des Schlafhormons Melatonin. Und selbst wenn der Klassen-Chat auf Whatapp über Nacht manchmal Hunderte von „Neuigkeiten“ produziert: Es gibt keinen einzigen guten Grund für ein Smartphone nachts im Kinderzimmer! Auch die Weckfunktion ist nicht Bild: Maria Conesaunentbehrlich: Kaufen Sie stattdessen lieber für wenige Euro einen Wecker! Und: Sorgen Sie dafür, dass die Smartphones routinemässig an zentraler Stelle (im Flur) aufladen… wie wär’s mit einem „Handy-Hotel“?

4. Schaffen Sie internetfreie Alternativen!

Wer erstmals bei Jugendlichen, die vorher völlig freie Hand in Sachen Mediennutzung hatten, die digitalen Nutzungszeiten reguliert, muss mit viel pubertärem Gegenwind rechnen – so etwa:

  • geballte Wut: „Alle dürfen alles – nur ich nie irgendwas!“
  • reine Verzweiflung: „Was soll ich denn sonst tun?“
  • pure Provokation: „Pah! Dann gehe ich halt zum meiner Freundin!“
  • trickreiche Untergrabungsversuche: „Wie sollen aber heute als Hausaufgabe im Internet recherchieren!“…
  • ungläubige Verweise auf technische Unzuverlässigkeiten: „Der Router spinnt! Das waren höchstens 10 Minuten – niemals eine Stunde!

Damit die unweigerlich endlosen Anwürfe nicht auf Dauer an Ihrer elterlichen Standhaftgkeit zehren, seien auch Sie trickreich und schaffen Sie gemeinsam mit Ihrem Nachwuchs ablenkende und gesunde Alternativen. Ich empfehle besonders Aktivitäten im Bereich Sport, Natur und/oder Vereinswesen. Ja, das ist aufwändiger, als die Kids in ihren Zimmern an Bildschirmen hängen zu lassen – aber Ihre Kinder sind Ihnen das ja sicher wert, oder? 🙂

5. Seien Sie selbst ein Vorbild in Sachen Mediennutzung!

„Unsere Kinder brauchen wir nicht erziehen – sie machen uns sowieso alles nach“, witzelte schon Karl Valentin. Väter, die mit dem Tablet stundenlang aufs Klo verschwinden brauchen sich bei Ihren Kindern über deren Mediennutzung genauso wenig beschweren wie Mütter, die vor lauter Whatsapp ihren Kindern oft nicht mehr zuhören. Ein Tipp für Besitzer von Android-Smartphones: Installieren Sie für eine Woche die App „Menthal“ des Bonner Informatik-Professors Alexander Markowetz: Sie protokolliert Ihr Smartphone-Nutzungsverhalten ganz genau. Sie werden überrascht sein…

Sehen Sie das ähnlich? Oder gibt es Sofortmaßnahmen, die Ihnen noch naheliegender oder erfolgsversprechender scheinen?


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