Erster Akt: Exposition

Es ist Mitte Juni 2017, und im Internet begegnen mir als digital aufgeschlossenem Menschen immer mehr Menschen, die strahlend ihre „Mining Rigs“ in die YouTube-Kamera halten: „Mining“ (zu Deutsch „Schürfen“) bezeichnet deutet dabei das Berechnen der neuen Crypto-Währungen, die im Internet gehandelt werden – vielleicht haben Sie ja von „Bitcoins“ schon mal gehört, der bislang bekanntesten „Crypto-Coin“.

Die Rechner, mit denen man Crypto-Währungen selbst berechnen (lassen) kann, heißen „Rigs“: Sie sind zumeist in waschkorbgroßen Quadern aus Aluwinkeln untergebracht und bestehen im Inneren aus klassischen PC-Komponenten. Das Wichtigste sind dabei aber die sechs, acht oder noch mehr dicken 3D-Grafikkarten oben drauf, alle schön in Reih und Glied verkabelt: Sie eignen sich nun mal besonders gut für das Schürfen virtueller Währungen, deshalb braucht man so viele davon.

„Mining Rig“: Echtes Geld selber „errechnen“!

Diese Maschinen scheinen sehr populär zu sein, denn egal ob in Russland, China oder den USA – überall rauschen jetzt diese Mining Rigs tag und nachts vor sich hin und berechnen dabei vor allem „Ethereum“-Einheiten, also die nach Bitcoin zweiterfolgreichste Crypto-Währung. Der einfache Grund dafür: Der Ethereum-Kurs hat sich zu diesem Zeitpunkt gerade innerhalb von wenigen Monaten vervierzigfacht (!), so dass plötzlich jeder Privatmann mit „Mining“ das große Geld zu machen können scheint.

Dollarzeichen in den Augen: Miner aus Pakistan und Letttland (rechts) präsentieren ihre Rigs auf YouTube genau so stolz wie Miner in den USA (links). (Quelle: www.youtube.com)

Und das soll auch noch recht einfach zu bewerkstelligen sein: Zahlreiche Webseiten bieten Kalkulationshilfen an, die ausrechnen, in welch kurzem Zeitraum sich welcher Grafikkarten-Typ bereits amortisiert hat – die beliebtesten Modelle sollen sich (trotz Stromkosten!) schon nach drei Monaten selbst bezahlt haben. Ansonsten braucht man eigentlich nur noch ein Mainboard mit möglichst vielen PCI-Express-Slots sowie einen möglichst schwachen Prozessor, 4 GB RAM, eine kleine SSD und 6 bis 8 sogenannte „PCI-Express-Riser“-Karten: Diese erlauben es, die vielen Grafikkarten weiter entfernt vom Mainboard zu positionieren, wo sie genügend Platz haben und ordentlich belüftet werden können. Auf YouTube gibt es dazu zahlreiche Bauanleitungen sowie Tipps und Tricks zuhauf, die aus den Rigs das Allerletzte an Leistung herauskitzeln. Und das ist verheißungsvoll, denn mehr Leistung bedeutet in diesem Fall auch: Mehr Geld.

Zweiter Akt: Steigerung

Das alles wäre doch eigentlich eine interessante Herausforderung für jemanden mit über 20 Jahren Grafikkarten-Expertise, oder (meine erste war eine „3dfx Voodoo“ im Jahr 1996!)? Kann man ja mal machen, oder? Basteln darf man endlich mal wieder, man lernt auch was – und vielleicht springt sogar etwas dabei heraus? Ich wische spontan alle Skepsis beiseite:

Ich werde Miner!

Also ab ins Internet, Grafikkarten kaufen, bevor es auch alle anderen (noch mehr) tun. Ich habe Glück: Obwohl drei Händler trotz erfolgreichem Bestellvorgang tags drauf stornieren, liefert der vierte Shop tatsächlich noch ein Six-Pack mining-tauglicher Grafikkarten. Nur ein paar Tage später werden dieselben Modelle übrigens schon für 100 Euro und mehr Aufpreis gehandelt oder sogar ganz aus dem Sortiment genommen – dass PC-Hardware sich so extrem verteuert, habe ich zuvor noch nie erlebt. Aber es geht ja aktuell um Teile für wahre Geld-Druck-Maschinen – dass da die Nachfrage hoch ist, kann man sich ja leicht ausrechnen. Alle anderen Miner-Zutaten waren mit etwas Suche schnell besorgt, inklusive Alu-Winkeln und Holz aus dem Baumarkt. Ethereum, wir kommen!

Hardware-Nerdgasm: 2000 Euro Mining-Equipment!

Am Wochenende drauf ist es soweit: Mit meinem Sohn zimmere ich ein formidables Alu-Gestell (ein „Open Air Frame“, wie der Miner sagt). Auch der weitere Zusammenbau läuft weitgehend reibungslos, und nach einem BIOS-Update sowie kurzen Kampf mit mir bis dato unbekannten BIOS-Einstellungen („Enable Above 4G Decoding“ etc.) erkennt und installiert Windows 10 tatsächlich alle sechs Grafikkarten – der Blick in den Windows-10-Gerätemanager erfüllt mich mit seltsamem Stolz…

Six-Pack in Aktion: Windows 10 kann bis zu 8 Grafikkarten erkennen (wenn die BIOS-Settings stimmen)

Bevor man mit dem Mining beginnen kann, muss man nun lediglich noch ein „Wallet“ erstellen, eine Art elektronischer Geldbörse – mit dem Handy eine Sache von Sekunden; dann hat man eine Bitcoin-Nummer, an die man Crypto-Währungen schicken kann. Jetzt steht dem Mining endlich nichts mehr im Wege: Weil ich möglichst schnell das erste „Geld“ sehen will, entscheide ich mich für den Miner „NiceHash“ – er lässt auf der Rig stets die Crypto-Währung erschürfen, die gerade am meisten abwirft (also derzeit fast immer Ethereum), und verkauft sie dann sofort; ausbezahlt wird man hier einmal wöchentlich in Bitcoin.

120 Mega-Hashes pro Sekunde: Die Oberfläche des Mining-Tools zeigt mir
auf etwas spröde Weise, wie schnell ich sicher bald schon reich werde.

Schnell stelle ich fest, dass ein Mining-System ganz andere Vorlieben hat als ein Gaming-Rechner: Die Mining-Effizienz ist dann am höchsten, wenn man lediglich die Taktraten des Video-Speichers bis zum Anschlag erhöht und dafür das Power-Target sowie den GPU-Takt so weit herunterfährt, dass die Mining-Performance (bei Minern heißt das „Hash-Rate“, gemessen in Mega-Hashes pro Sekunde, kurz MH/s) gerade noch nicht oder zumindest kaum einbricht.

Spürbare Abwärme: Mining-Rigs könnte man im Winter auch zum Heizen einsetzen.

So produziert meine Rig mit sechs Geforce-1060-Karten (geeignete AMD-Modelle waren ausverkauft, und so viele Geforce-1070-Karten wollte ich mir nicht leisten) standardmäßig 120 MH/s, benötigte dafür aber 680 Watt – optimiert waren es zwar nur noch 115 MH/s, allerdings bei nur 480 Watt.

Hurra, „nur“ 480 Watt: Optimiert kommt meine Rig trotz 6 unter Volllast rechnender GPUs auf lediglich (?) 90 Euro Stromkosten im Monat

Die Kalkulation dazu: Meine Rig benötigt alle zwei Stunden etwa eine Kilowattstunde (á 25 Cent), das sind am Tag also etwa 3 Euro. Diesen 90 Euro Stromkosten im Monat stellt der Mining-Kalkulator allerdings einen Ethereum-Ertrag von etwa 600 Euro gegenüber. Bei über 500 Euro Gewinn pro Monat komme ich theoretisch also schon im fünften Monat in die Gewinnzone! Ich kann’s kaum erwarten.

 

Dritter Akt: Höhepunkt

Jetzt läuft sie also leise rauschend vor sich hin, meine tolle Rig, und ich kann sogar auf einer Website „live“ mitfiebern, ob, was und wie schnell sie gerade produziert – und vor allem, wieviel ich wahrscheinlich wann ausgezahlt bekomme. Ich bin anfangs wie gebannt und muss alle 15 Minuten nachsehen. Mir fällt gleich auf, dass die Berechnungen von Anfang an stark schwanken: Mal soll meine Rig Crypto-Währungen für 20 Euro am Tag produzieren, 10 Minuten später liegt die Prognose für denselben Zeitraum bei nur 6 Euro. Hmm.

Nette Lösung: Das Tool NiceHash lässt Rigs immer das schürfen, was gerade am Markt geht – zeigt aber den voraussichtlichen Ertrag sehr schwankend an (hier gerade 6,29 Euro pro Tag)

Eine Google-Suche erklärt mir das so, dass die Grafikkarte eben manche Einheiten der Crypto-Währungen schneller findet, manche langsamer – so dass der Ouput ständig schwanke. Nach ein paar Tagen werde ich etwas nervös: Was mache ich da eigentlich? Werde ich eigentlich jemals wirklich Geld sehen? Oder wartet vielleicht irgend Hacker nur darauf, mir den Gegenwert meiner erwirtschafteten Rechenleistung gleich wieder abzunehmen?

Nach einer Woche – ich „besuche“ meine Rig täglich an ihrem stillen und kindersicheren Ort im Waschkeller und folge immer noch viel zu oft per Web-Browser oder gar per Fernzugriff mit Teamviewer ihrem Wohlergehen – ist es dann soweit: Der Zähler springt auf 0 zurück! Angeblich hat eine Auszahlung stattgefunden! Tadaah! Hastig ziehe ich mein Handy heraus, und starre ungläubig auf die Zahl „0,00 Euro“, die beharrlich auf meiner Wallet-App zu lesen steht. Doch keine zwei Stunden später (ich lerne später, dass es immer so lange dauert, bis „die Blockchain synchronisiert ist“) ändert sich das: Jetzt leuchtet dort die Zahl „151,50 Euro“ auf – kurz später sogar „181,02 Euro“!

Sei umarmt, schnöder Mammon! Diese nüchternen Zahlen auf meinem Handy-Display repräsentieren mein erstes „selbstgeschürftes“ Cyber-Geld. Ich bin ein glücklicher Miner!

Mein erstes Cyber-Geld! Selbst-ge-schürft! In meinem Kopf beginnen unweigerlich Musikvideos mit Villen in Florida zu spielen, vor denen Ferraris parken (nicht dass ich das je bräuchte, ich habe Kinder). Obwohl mir bewusst ist, dass immer noch knapp 2.000 Euro bis zur Amortisation fehlen, fühle ich mich rundum befreit und glücklich. Irgendwie kann ich immer noch nicht fassen: 180 Euronen! Meine Rig hat tatsächlich im Internet „Geld“ produziert. Habe ich das System geschlagen? Gibt es das berühmte „Free Lunch“ also doch?

Vierter Akt: Retardierendes Moment

Ich fühle mich blendend, und notorische Crypto-Bedenken von Freunden („Crypto-Währungen sind die Tulpenzwiebeln des 21. Jahrhunderts“) und Kollegen („Beim Goldrausch gewinnt immer der, der die Schaufeln verkauft!“) lächle ich locker und entspannt weg. Doch halt – noch habe ich ja gar keine Euros! Ich habe lediglich 0,0725 Bitcoins im Wert von momentan 150 Euro sowie sagenhafte 0,016 Ether im Wert von 30 Euro (siehe Screenshot) in meiner Wallet-App, und weder das eine noch das andere kann ich in Deutschland so einfach ausgeben. Erst wenn ich das Geld eintausche, kann ich also sagen, was ich wirklich verdient habe.

Schnell stelle ich zudem fest, dass man beim Minen gleich auf mehreren Ebenen Provisionen zahlt, bevor man seine „echten“ Euros in der Hand hat – wenn auch jeweils immer nur 1 oder 2 Prozent: Zuerst kassieren die Autoren der eigentlichen Mining-Algorithmen ihr Scherflein – in meinem Fall ein gewisser „Claymore“, der inzwischen sagenhaft reich sein muss, weil Miner in aller Welt sein Tool einsetzen. Außerdem kassieren die NiceHash-Macher ihr Prozent für das Traden in Bitcoins, und schließlich auch der Bitcoin-Exchange „BitPanda“, wo ich meine Bitcoins für Euros verkaufe.

Exponentielles Wachstum? Der durchaus beeindruckende Ethereum-Kurs von Januar bis Mitte Juni 2017 (Quelle: www.plus500.de)

Doch ich stelle fest: Die paar Prozent Verlust sind gar nichts gegen die krassen Schwankungen des Ethereum-Kurses. Dass Crypto-Währungen extrem „volatil“ (finanzdeutsch für „stark schwankend“) sind, wusste ich schon vorher – aber was der Ethereum-Kurs seit meinem Einstig ins Mining-Geschäft vollführt, gleicht einer Achterbahnfahrt mit Dauer-Loopings: 10-Prozent-Sprünge in wenigen Minuten sind an der Tagesordnung, rauf wie runter. Unbekannte Mächte vollführen offensichtlich aus unbekannten Motiven unbekannte Dinge an den Crypto-Börsen – bis dahin ist das ja alles ganz prächtig so.

 

Fünfter Akt: Katastrophe

Doch dann passiert am 26. Juni 2017 Folgendes; Der Kurs von Ethereum fällt an einer bestimmten Börse plötzlich von etwa 320 Dollar auf lächerliche 13 Dollar (!) – für nur wenige Sekunden, dann steht er wieder da, wo er vorher war.

Ethereum-„Flash Crash“ am 26. 6. 2017:
Unheimliche Szenen an der Crypto-Börse… (Quelle: www.coinbase.com)

…was gar nicht gut fürs globale Vertrauen in Ethereum ist: Direkt danach gerät der Kurs ins Rutschen, auch wenn es wohl „nur“ ein technischer Fehler war. Als aber dann auch noch Gerüchte aufkommen, dass der 23-jährige Crypto-Coin-Wunderknabe Vitalik Buterin, einer der Mitbegründer von Ethereum, bei einem Unfall ums Leben gekommen sei, geht es zeitweise noch steiler abwärts – selbst als sich der voreilig Totgesagte sich wieder höchstlebendig ins Internet zurücktwittert.

Haaaalt! Seit meinem Mining-Einstieg entwickelt sich der Ethereum-Kurs
irgendwie ganz anders als erwartet… (Quelle: www.plus500.de)

Mit einem Schlag wird mir wirklich klar, was mir vorher schon irgendwie schwante – und was ich vor lauter Technik-Begeisterung in den Hintergrund gedrängt hatte: Das Produkt meiner liebevoll konstruierten Rig ist nun mal ein reines Spekulationsobjekt. Meine Einnahmen sind aber ganz fest an den erratischen Ethereum-Kurs gekoppelt – der in den folgenden Tagen fast die Hälfte seines Wertes verliert. Für die zweite Woche sagt NiceHash prompt nur noch einen Ertrag von knapp 90 Euro voraus – wohlgemerkt bei fast 18 Euro Stromkosten pro Woche. Die Amortisation meiner Rig rückt plötzlich in unendlich weite Ferne, ein möglicher Profit erst recht. Natürlich könnte ich auch meine Ethereum-Einheiten behalten und irgendwann in Zukunft für ein potentiell Vielfaches einlösen – sie könnten aber genauso gut jeden Wert verlieren. Spätestens jetzt beschleichen mich ernsthaftere Zweifel.

Zu Recht: Denn schon kurz später kassiert mein Mining-Projekt einen weiteren harten Nackenschlag. Denn wie bei den meisten anderen Crypto-Coins auch gibt es bei Ethereum einen eingebauten Mechanismus, der es mit zunehmender Zahl an Minern immer langwieriger macht, einzelne Einheiten zu berechnen – dass der Ertrag stetig sinken würde, war allerdings schon vorher klar und bis zu einem gewissen Grad auch mit einberechnet.

Allerdings müssen am 10. Juli irgendwo in China, Russland oder auf Island gleichzeitig ein paar wirklich große Mining-Farmen mit Hunderttausenden Grafikkarten auf Ethereum umgestiegen sein (so noch die beste Theorie aus den sofort hyperventilierenden Cryptocurrency-Foren), denn an diesem Tag steigt innerhalb weniger Stunden die Schwierigkeit für das Ethereum-Mining plötzlich um mehr als 15 Prozent (!) an – eine solche Steigerung in so kurzer Zeit hatte es zuvor nie gegeben.

Eine „Schwierigkeitsbombe“ explodiert: Die Dauer zur Ethereum-Berechnung nimmt plötzlich viel schneller als bisher zu

Dieses Phänomen (der englische Ausdruck lautet „difficulty bomb“) bedeutet auch für meine Rig ganz konkret, dass sie ab jetzt für denselben Ertrag über 15 Prozent länger rechnen muss, Tendenz offensichtlich immer schneller steigend. Der Profit meiner Rig schmilzt dahin wie Eis in der Sonne…

Die Kombination aus beiden Entwicklungen (Kurssurz & Schwierigkeitsanstieg) trifft die gesamte Miner-Szene wie ein Donnerschlag, und schon bald bekommt manch einer kalte Füße. So befinden sich die zuvor horrenden Preise für bestimmte Mining Rigs auf Ebay schon am nächsten Tag in freiem Fall.

Wie gewonnen, so zerronnen: Preisverfall für fertige Mining Rig
von Anfang Juli (oben) bis Mitte Juli (unten). (Quelle: www.ebay.de)

Sofort dreht sich der Markt: Einige Händler bieten zudem plötzlich Grafikkarten wieder preiswerter an; und schadenfrohe Mining-Kritiker haben es in allen Foren ja sowieso schon immer besser gewusst. Viele Gamer freuen sich dagegen (wahrscheinlich zu recht) auf die irgendwann unweigerlich eintretende Schwemme an gebrauchten Grafikkarten zu Schleuderpreisen.

Ich sehe ebenfalls meine Crypto-Felle davonschwimmen und gerate in eine gepflegte, mittelgroße Panik. Ich versuche ebenfalls (wenn auch nicht vollends überzeugt), meine Rig bei Ebay zu verkaufen – bekomme aber keine ernsthaften Angebote mehr, sondern lediglich Kommentare wie „Mit 6 Euro Profit pro Tag dauert es aber ziemlich lange, bis sich Ihre Rig lohnt, oder?“. Wo er recht hat…

Kurz überlege ich noch, auf andere Währungen wie „ZCash“, „Dash“ oder „Monero“ zu umzusteigen – deren Miningkosten aber zumindest bei meinen Stromkosten höher sind ihr aktueller Kurswert. Da könnte ich sie ja nüchtern betrachtet besser einfach einkaufen. Aber mit dubiosen Crypto-Währungen zu spekulieren war ja eigentlich ohnehin gar nie mein Ziel. Ich schnaufe ein paarmal tief durch …und gebe auf.

Meine Mining-Karriere ist nach nur 10 Tagen beendet.

Schweren Herzens hole ich den Schraubenzieher raus und schraube alles wieder auseinander. Über die nächsten Tage darauf verteilen sich die meisten Komponenten meiner Mining-Rig per Ebay in PCs überall in Deutschland, manche sind sogar noch innerhalb der Widerrufsfrist von Amazon. Es zeichnet sich bereits ab, dass mir am Ende ironischerweise ziemlich exakt folgender Betrag fehlen wird: 180 Euro.

 

Epilog

Anfangs stand bei meinem sagenhaft aufregenden Mining-Projekt die Technik im Mittelpunkt, und das habe ich zu Beginn auch genossen. Aber sobald selbst die tollste Rig nach ein paar Sessions im Keller optimiert ist und stabil vor sich hin rauscht, geht es nur noch um kaum greifbare Dinge, die die Crypto-Kurse nach oben oder unten jagen – und damit den Ertrag, für den man das Ganze ja eigentlich auch begonnen hat. Denn eine teure, verlustbringende, schnell veraltende und obendrein stromfressende Maschine im Keller ist nun mal nicht cool. Punkt.

Muss noch ein bisschen warten: Die Villa in Florida (nebst Ferraris)

Muss noch warten: Villa in Florida (mit Ferraris)

Ich bin als Ex-Miner aber immerhin mit einem blauen Auge davongekommen: Meine Mini-Mining-Karriere hat mich – neben viel Schlaf und einem beträchtlichen Anteil meiner Nerven – nur etwa 40 Euro Strom und 70 Euro Paket-Porto gekostet, sowie summa summarum fünf Tage Arbeit (3 Tage IT, 2 Tage Kistenschieberei).

Zudem habe ich nicht nur gelernt, dass ich ganz einfach „viel zu spät dran“ war, sondern auch, dass mein Fell als Investor für die extremen Schwankungen am Crypto-Währungsmarkt einfach nicht dick genug ist. Ein Manager für eine Mining-Farm werde ich ganz sicher nie. Und als Investition „das Ganze einfach mal ein paar Jahre liegen lassen“ kann man ja schließlich auch nicht, denn Mining-Rigs veralten schnell, so dass der Ertrag schnell mal unter den Stromkosten liegt, wenn man nicht stetig aufpasst. Zudem darf man nicht unterschätzen, was es bedeutet, plötzlich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Admin eines ständig laufenden Systems zu sein, dessen Ausfall Geld kostet. Warum sollte man sich so etwas auf Dauer freiwillig und on-top antun? Es macht das Leben kompliziert, man ist ständig abgelenkt und der tatsächliche zeitliche (und emotionale) Aufwand übersteigt bald jeden für ein Hobby-Projekt möglichen Ertrag – wenn es überhaupt einen „Ertrag“ gibt…

Fazit: Wer meint, mit Crypto-Währungen reich werden zu können, sollte sie ganz einfach kaufen und dann damit spekulieren – alternativ könnte man noch Mining-Leistung mieten (und hätte dann ebenfalls keinen Ärger mit der Administration). Allerdings wird dann natürlich schnell klar, dass die Crypto-Währungen derzeit nun mal reine Wildwest-Spekulationsobjekte sind. Und auf absehbare Zeit auch bleiben. Ich für meinen Teil bin vom Mining-Fieber geheilt und bin mir ziemlich sicher, dass es richtig war, so schnell wieder aufzuhören – ich werde mich ganz sicher nicht ärgern, selbst wenn der Ethereum-Kurs in zwei Jahren bei 5000 Euro steht. Wer ohnehin einen Spiele-PC bei sich stehen hat, kann ja mal ein Wallet anlegen und eine Woche NiceHash laufen lassen, um zu sehen, wie sich Mining so anfühlt – in eine komplette Mining-Rig zu investieren lohnt sich bei unseren Energiekosten in Mitteleuropa auf absehbare Zeit nicht mehr. Aber wenn Sie’s trotzdem probieren wollen: Ich hätte da gerade ein ganz tolles, praxiserprobtes „Open Air Frame“ zu verkaufen… ?


3 Kommentare

Veronika · 22. November 2017 um 9:43

Mining scheint auf jeden Fall die Rechtschreibkapazität zu beeinflussen.

Andreas Gebetsberger · 19. August 2017 um 19:12

Ich vergas, du minst ja mit Grafikkarten, ASIC Miner liegen auf X11 aktuell zwischen 15 und 30 Gh/s… bei 800-1200 Watt – Das loht‼️

Andreas Gebetsberger · 19. August 2017 um 19:06

Guter Post – in seiner Stelle würde ich heute sterben gehen wollen wenn man die Suene so beobachtet und sieht was dir entgangen ist… Ether wieder auf Kurs, Dash hochlukrativ – was lernen wir daraus?

Durchhhaltevermögen zahlt sich immer aus! 😉

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